Dies schreibt die geschätzte Presse:

 

 

Düsseldorfs Ex-Hoppeditz Jürgen Hilger-Höltgen in neuer Rolle

Ein Lehrer frech wie Dreck

Von Frank Menke

Hauptschullehrer ist er von Beruf, Lausbub auf der Bühne. Jürgen Hilger-Höltgen verteilt im Karneval Ohrfeigen. Bei der großen Düsseldorfer Fernseh-Prunksitzung feiert der Ex-Hoppeditz Premiere in einer neuen Rolle: als Fimmännchen.

Jürgen Hilger-Höltgen als Fimmännchen; Rechte: WDR/Görgen

Ein Frechdachs: dat Fimmännchen

Große Klappe, frech wie Dreck, ein Strolch, wie er im Buche steht: Als Schüler möchte der Ratinger Hauptschullehrer Jürgen Hilger-Höltgen das Fimmännchen wohl kaum in seinem Unterricht sitzen haben. Mag der liebe Gott alles wissen, das Fimmännchen weiß alles besser. Und verpasst all jenen kräftige Ohrfeigen - natürlich nur verbale -, die es seiner Meinung nach verdient haben.

Unartig und bauernschlau

"Das Fimmännchen ist einem Lausbub aus den 1920er Jahren nachempfunden", sagt Hilger-Höltgen. Und so sieht es auch aus: Schlägerkäppi, Knickerbocker, aufgerollte Hemdsärmel, Weste. Ungezogen, bauernschlau und respektlos schwadroniert es über Gott und die Welt, über Nokia-Subventionsheuschrecken und Hyper-Nanny Eva Hermann, über nach Milch süchtige Chinesen oder Fremdwörter, die keiner versteht. Dabei gibt's für die Opfer tüchtig was auf die Ohren. Muss es auch, denn Fimmännchen ist rheinisches Platt und bedeutet Ohrfeige, Watsche.

Den Unterschied zum Düsseldorfer Erznarr Hoppeditz, den Hilger-Höltgen elf Jahre lang in der Landeshauptstadt verkörperte, erklärt er so: "Das Fimmännchen schwadroniert ohne erhobenen Zeigefinger."

 

Abschied als WDR-Kommentator

Düsseldorfs WDR-Rosenmontagszugs-Kommentatoren Manni Breuckmann und Jürgen Hilger-Höltgen; Rechte: Stephan Krudewig

Hau drauf, ist Abschied

Seit 36 Jahren ist Hilger-Höltgen im Karneval aktiv, gilt als Mann der 1.000 Kostümierungen. Er trat nicht nur als Hoppeditz auf, sondern auch als Bergischer Löwe, als Ex-Karnevalsprinz, als Schneider Wibbel, als Süßer Jong und in vielen anderen Verkleidungen. Von einer weiteren Rolle verabschiedet er sich nach dieser Session. Zehn Mal hat er mit Manni Breuckmann für den WDR den Düsseldorfer Rosenmontagszug kommentiert. 2008 macht er das zum letzten Mal. Hilger-Höltgen: "Der Manni geht dieses Jahr in den Vorruhestand, und damit ist auch für mich Schluss. Nach so einer langen Zeit fällt einem irgendwann auch nichts wirklich Neues mehr ein", sagt er selbstkritisch.

Bei seinen jecken Fans kommen da vielleicht verfrühte Aschermittwochsgefühle auf, aber Hilger-Höltgen weiß: "Mer kann och alles öwerdriewe". Das heißt auf Hochdeutsch, dass man auch alles übertreiben kann - und ist im Übrigen das aktuelle Düsseldorfer Sessionsmotto.